Die stete Wiederholung innerhalb einzelner Medien
ist ein Starrkrampf der Seele.

Lassen Sie uns heute einmal über die sogenannte Medienlandschaft plaudern. Wie alle Medien leben wir von der Bereitschaft von Partnern und Unternehmen im jeweiligen Magazin oder Produkt [Print, TV, Radio & Online] großflächige Werbung zu platzieren, um den Erhalt der Verleger-Villa zu sichern. Der Weg hierzu führt teilweise über Agenturen, die stark mit den Verlagshäusern verflochten sind. Teilweise gibt es – zum Glück für die kleineren Medien – auch direkte Ansprechpartner bei Unternehmen, die sich noch über ein klein wenig kreatives Engagement des Herausgebers und seines Teams freuen. Denn was ist ein Produkt noch wert, wenn es in jedem Blatt und auf jeder Onlinepräsenz gleich beworben wird? Wieso sollen Menschen an Träume glauben, wenn sie nicht den Eindruck gewinnen, dass man das Herz des Käufers [Lesers] im Sturm erobern möchte.

Demut ist die höhere Form der Liebe.
Rabindranath Tagore

Ist es Menschen überhaupt noch wichtig,
wie etwas beworben wird?

Diesen Eindruck kann man aufgrund fehlendem Einfallsreichtums bei Anzeigen oder Platzierungen inzwischen immer häufiger gewinnen. Es zählt nicht mehr das Herzblut und der kreative Gedanke des Herausgebers und seines Teams, sondern nur noch die sogenannte Reichweite, die ohnehin kein Mensch mehr genau ermitteln kann. Analysen? Auswertungen? Falls ich mich nicht täusche, alles Zahlen, die wir mit einem einzigen Mausklick in Indien oder China erkaufen können. Wir werfen mit Zahlen um uns und denken, dies wird schon reichen, um ein Produkt in die Herzen der Menschen zu transportieren.

Noch viel schlimmer: die meisten Medien ruhen sich inzwischen auf ihrem Namen aus und bemühen sich in keinster Weise ein Magazin außergewöhnlich zu gestalten, egal, ob es um verschwenderische Farb- und Raumvielfalt, gefühlte Visionen oder sprachliche Nuancen geht. Es fehlt jegliche Demut vor dem Unternehmen [Auftraggeber], geschweige denn vor dem Leser.

Mir, als Liebhaber der deutschen Sprache, fällt zwischenzeitlich die Kinnlade aus dem ansonsten entspannten Gesicht, lese ich textliche Ergüsse in Verbindung mit lieblos dahingeklatschten Fotos sogenannter „Profis“, die lieber zuerst noch kurz einen Grammatik- oder Grafik-Grundkurs besuchen sollten, anstatt sich selbst und die Marke ins Lächerliche zu ziehen. Aber hey … der Kunde bezahlt, es wird gefeiert, abgehakt.

Bereits vergessen, warum wir ein Heft herausgeben, was überhaupt der Grundgedanke und der Anspruch eines Magazins für den Leser sein soll? Es soll bereichern, ihn oder sie inspirieren und zum Träumen bewegen. Die Leser müssen spüren, dass jeder Buchstabe jedes einzelnen Blattes von uns mit Leben und Liebe gefüllt wurde. Wir sind der Wind, der die Seele und die Träume unserer Leser beflügeln soll.

Kleine Randnotiz: sehe ich mir aktuelle Models auf den Laufstegen dieser Welt an, frage ich mich ohnehin, ob wir uns nicht eher in Richtung Absturz bewegen. Aber die Designer werden schon wissen, was der Käufer wünscht, nicht wahr? Denn dies wissen die Jungs und Mädels seit Jahrzehnten, genau wie unsere Politiker, die ohne Rot zu werden jeden und alles belügen, keinen Anstand mehr besitzen und dieses Tun inzwischen gesellschaftsfähig etabliert haben. Ein kleiner Applaus, denn wir haben es mit zu verantworten, dass nachfolgende Generationen völlig verblödet und ohne jeglichen Respekt diese vernichtende Arbeit und gesellschaftliche Untergrabung fortsetzen.

Opel

Zum Thema Generation: Bin ich eigentlich der Einzige, der sich darüber aufregt, dass eine traditionsreiche Marke wie Opel an die Franzosen verscherbelt wurde? An genau die Franzosen, die vorher noch Subventionen in Milliardenhöhe erhalten haben, da sie ansonsten in der Schrottpresse gelandet wären. Und nun diese Subventionen für den Kauf einer deutschen Marke nutzen?

Okay … Opel befindet sich derzeit noch im Besitz von GM, aber hätten wir Deutschen nicht einfach mal wirklich etwas mehr Stolz zeigen können und ausnahmsweise mal keine Bank retten, sondern diese deutsche Marke als Staat von den Amerikanern zurück kaufen können?! Egal, ob ich Opel und die Fahrzeuge mag, aber das haben die Menschen, die dort arbeiten wirklich nicht verdient. Deutschland wird von den eigenen Leuten komplett demontiert und wir sehen nur zu, werden beruhigt und auf stiller Flamme gehalten.

Jeden verdammten Tag!

Tja … und genau das passiert mir jeden Tag. Jeden verdammten Tag, den ich versuche für Unternehmen und Partner etwas Schönes auf die Beine zu stellen, mir aber immer wieder der Teppich unter den Füßen fort gezogen wird, da es niemanden mehr zu interessieren scheint, ob die Welt tatsächlich so schön und vielfältig ist, wie wir es fast täglich propagieren. Es wird nicht einmal mehr gefragt, wie es dem anderen geht, ob man sich gegenseitig helfen oder bereichern kann. Soll die Welt doch vor die Hunde gehen, Hauptsache ich habe vorher noch ein Bild über meinen Beach-Body gepostet oder meine Meinung über Katzenbabys überliefert.

Träume? Was sind die noch wert?

Ordne dich unter, halte die Klappe, such dir eine vernünftige Lehrstelle, schließ‘ eine Lebensversicherung ab [egal, ob die überhaupt ausbezahlt wird], such dir eine Frau [egal, ob du sie liebst], führe dasselbe langweilige Leben wie deine Eltern, mach dies, tu das. Aber Hauptsache, du hältst die Klappe und lässt die alten Säcke da oben machen, was sie wollen.

Für mich der idiotischste Unsinn, seitdem mir meine Eltern mit Zwangsmaßnahmen diese Lebensordnung diktieren wollten. Das ist den beiden auch tatsächlich bis Anfang 30 gelungen, dann wurde mir klar, wer hier wirklich ein völlig langweiliges und verlogenes Leben führt. Es war nicht leicht, aber ich habe es geschafft, mich davon zu distanzieren, um mein eigenes Leben und meine Träume zu verwirklichen.

Und genau das wünsche ich mir von allen jungen Menschen dort draußen: lebt euer Leben, folgt euren Träumen und wenn die Alten sagen, das ist doch Blödsinn, dann macht es erst recht! Wir Alten sollten unterstützen und helfen, anstatt ständig unseren Frust über ein vergangenes und ungenutztes Leben an unseren Kindern auszulassen. Was können unsere Kinder dafür, dass wir zu feige waren, unser Leben zu leben? Sucht euch eine liebevolle Frau, die loyal zu euch steht und falls sie zu dick oder zu klein ist, wen schert’s? Ich stehe meinen Söhnen jedenfalls immer zur Seite, egal, wieviel Kreide sie fressen müssen, denn daraus lernen sie, daraus werden sie zu aufrechten Kerlen, denen man vertrauen kann.

Was das mit Medien zu tun hat?

Ganz einfach: anstatt den jungen Leuten die Wahrheit zu sagen und damit Reife zu demonstrieren, anstatt sie dabei zu unterstützen eigene Träume auszuleben und aufzuzeigen, wie man etwas erreichen kann, hören wir den ganzen Tag nur noch Lügen und bösartige Verleumdungen ohne jeglichen Anstand, Demut oder Respekt. Wir erkennen, wie sich alte Menschen an ihrer Macht festklammern, anstatt loszulassen, um Veränderungen herbei zu führen.

Veränderungen, die wir dringender denn je benötigen, gerade die junge Generation und damit meine ich auch eine Medienlandschaft, die von Unternehmen finanziert wird, die anscheinend nicht mehr darüber nachdenken, wen oder was sie da eigentlich unterstützen – außer es ist gewollt.

Gilt das Recht auf Erfolg nur noch für ein paar wenige?

Ich möchte eigentlich nur – wie immer mit meinen Texten – ein klein wenig zum Nachdenken auffordern. Haben Sie – und damit meine ich auch Agenturen und Unternehmen – eigentlich gar keine Träume mehr? Ist das alles unter Zahlen und Leistungsdruck verschüttet worden? Gilt das Recht auf Erfolg nur noch für ein paar wenige und werden andere, die hart an der Aufrechterhaltung von kreativem Ehrgeiz arbeiten, tatsächlich verbannt? Leider entsteht dieser Eindruck immer häufiger und ich frage mich, wohin dieses Verhalten noch führen soll, wenn keiner mehr sieht, was der andere tatsächlich leistet.

Leistung sollte immer belohnt werden, so lernen wir es als Kinder, aber heutzutage ist diese alte Grundregel wohl nichts mehr wert. Viele vergessen sehr schnell, woher sie kamen und wie sie es geschafft haben – sicherlich nie allein! Ohne die Unterstützung meiner Partner und meiner Familie wäre es für mich nicht möglich dieses Magazin am Leben zu erhalten. Und ich erzähle sicherlich nicht jeden Tag, wie ich nur mit einem Cent in der Tasche zum Millionär wurde, denn diese Geschichten sind absoluter Blödsinn. Da wird im Höhenflug schnell vergessen, dass man allein zwar viel schaffen kann, doch nur in und dank einer Gemeinschaft der Erfolg möglich ist. Man sollte immer dankbar bleiben und Demut zeigen, dann offenbart man auch sehr viel Stil.

Somit liegt es an uns, demjenigen zu helfen, der uns am Herzen liegt und bei dem wir erkennen, dass hier das wahre Potential einer fruchtbaren Zusammenarbeit liegt. Denn das macht uns menschlich und dafür kämpfe und arbeite ich sehr gerne.

Ich wünsche Ihnen einen kreativen, sonnigen und vor allen Dingen glücklichen Tag.

Hendrik Birke