Wer an Wissen zunimmt und an Anstand abnimmt,
nimmt mehr ab als zu. 

Das Ausmaß an sogenannten „Hatern“ – also Menschen, die sich anonym auf Social Media Kanälen oder Medien ausdrucksstark Gehör verleihen – hat inzwischen neue Tiefpunkte im sozialen Miteinander erreicht. Waren es früher wenige, die sich tendenziell durch Beleidigungen und Kraftausdrücke geäußert haben, gibt es heutzutage inzwischen mehr dumpfe Bösartigkeit denn je als konstruktive Kritik oder liebevolle Lobhudelei.

Mein wohlwollendes Verständnis für selbsternannte Youtube-Stars endet leider auch bei Typen, die sich in Nutella baden, ohne dafür auch nur im Geringsten vom Hersteller belangt zu werden. Wie viele Kinder hätten sich bei „Der Tafel“ über ein einziges Nutella-Brötchen gefreut. Stattdessen wälzt sich ein klicksüchtiger Irrer in der Badewanne und feiert sich mit seiner Fangemeinde für so viel braunen Witz und humorvolles Gegrunze. Der Intellekt wird genau wie der Anstand zu Grabe getragen und da wundert man sich in den oberen Elite-Etagen und Masse-Medien über den offenen Hass des Volkes?

Gesunder Menschenverstand ist,
wenn man den Experten mißtraut
– mit großem Respekt und von ganzem Herzen.
Deutsche Lebensweisheit

Kritik darf kein abwertendes Werturteil sein,
sondern sollte als Hilfe für das Werdende dienen

Woran liegt es eigentlich, dass es inzwischen mehr böswillige Kommentare von sogenannten „Hatern“, als konstruktive Kritik oder gut gemeinte Lösungsvorschläge in den öffentlich zugänglichen Kanälen gibt?

Worüber beklagen sich denn die Mainstream-Medien, besser bekannt als „Qualitäts-Medien“ – übrigens ein Begriff, zu dem sich Tagesblätter und Magazine derselben Verlagshäuser selbst erkoren haben – eigentlich genau? Sie selbst tragen doch die Schuld an dem immer größer werdenden Hass, den sie seit Jahrzehnten durch die immer gleich lautende Propaganda geschürt haben.

Mehr Vertrauen schafft weniger Hass

Egal, welches Blatt man liest, es ist immer dasselbe: jeder andere ist Schuld, nur wir nicht. Unser  Verlag ist doch seit Jahrzehnten für hohe Qualität und neutrale Beobachtungsgabe bekannt, nur will das Volk das nicht mehr wahr haben. Weil es leider nicht wahr ist und dank ständig gleich lautender Meldungen – selbst Falschmeldungen werden ja schon geklaut – offensichtlich im Hass enden.

Seit Jahrzehnten wird uns von den Mainstream-Medien erklärt, dies sei gut oder dies sei schlecht für uns. Das eine Jahr ist etwas furchtbar – da ernähren wir uns dank repräsentativer Umfragen unter 1.000 Personen falsch – im nächsten Jahr ist dasselbe Thema wieder gut [ich sage nur Eier, Butter oder Versicherungen]. Die Fahne der Meinung weht je nach Laune der Politik und deren Lobbyisten, jedoch schon lange nicht mehr nach der Stimmung im eigenen Volk – siehe die erneute Volksverarsche bei der Polit-Eliten-Wahl des Bundespräsidenten, den keiner wirklich mag oder möchte und der in seiner ruhmreichen Vergangenheit am Untergang eines gerechten Sozialismus‘ beteiligt war. Nun wird er vom Volk per Staatsfinanzen anstandslos durchgefüttert; wir dürfen nur dabei zusehen.

Der Demokratie wird mit einer solchen Wahl jedenfalls erneut der Boden entzogen. Erinnern wir uns kurz daran, wie er den jetzigen US-Präsidenten vor seiner Wahl mit Hetze beleidigte und nicht einmal zur Wahl gratulierte. Auch hier fehlte jeglicher Anstand, auch vor seinem eigenen Volk, welches er als Außenminister stilvoll zu vertreten hatte.

Ich weiß, der Begriff „Volk“ reicht ja schon aus, um wieder einmal in irgendeine vordefinierte Schublade gesteckt zu werden. Die Schubladen reichen hinsichtlich meiner dargelegten Meinungen nur inzwischen nicht mehr aus, da muss ein stabiler Wandschrank her. Ich empfehle Birke-massiv, die hält, was sie verspricht und sieht auch noch verdammt gut aus.

Der Begriff „Qualitäts-Medien“ an sich widerspricht sich seit vielen Jahren, denn dem heutzutage agierenden Journalisten liegt mehr daran, sein eigenes Konterfei in jedem Kommentar zu präsentieren oder Kabarettisten zu verklagen, anstatt sich seiner Verantwortung gegenüber dem Leser bewusst zu sein. Es verhält sich wie mit den Ärzten, die mehr an den Vorteil ihrer Quartalsabrechnung denken, als an das Wohl ihrer Patienten. Würde hier mehr Anstand in den Köpfen hausen, würde hier jeder gleich und vor allen Dingen ehrlich behandelt werden, gäbe es vielleicht weniger Besucher in den Wartezimmern der Praxen, das Vertrauen wäre jedoch ungemein höher.

Auch Anstand kann man verlernen

Die Unternehmen selbst tragen ebenso eine große Schuld am Hass der Menschen, der sich immer tiefer in die Herzen gräbt. Allein der fehlende Anstand, für mich mit stilvollem Verhalten gleich gesetzt, liegt seit Jahren aufgrund von maßlosem Geiz und verblassendem IQ auf dem Friedhof der Würde begraben.

Fragt man höflich und freundlich bei einem Unternehmen an, erhält man – in Prozentzahlen geschätzt – 20% Rückmeldung. Und das von Firmen, die sich selbst als sozial und freundlich gesinnt feiern. Ich vergaß … man feiert sich selbst, nicht das Umfeld. Ernst gemeinte Öffentlichkeitsarbeit hat somit ebenso einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Anstand ist Respekt vor der Würde des anderen

Bewirbt sich ein Mensch bei einem Unternehmen, erhält er von der Personalabteilung nicht einmal mehr eine Rückmeldung, egal, ob persönlich formulierte Absage oder freundliches Statement. Da hat sich ein Mensch sehr viel Mühe gegeben, sich die Zeit genommen, bei einer Firma vorstellig zu werden, um seine Arbeitskraft feil zu bieten und wird behandelt wie Luft. Da nützen die allgemein gültigen Gepflogenheiten über Menschlichkeit und Teamgeist, die irgendeine pfiffige Marketing-Agentur verfasst hat, recht wenig. Dem Menschen wäre schon geholfen, würde man ihm kurz erläutern, warum er nicht in die Firma passt. Aber dazu müssten sich Personalentscheider und Firmenchefs ja wieder mehr Mühe geben und es ist definitiv einfacher, bereits in der Stellenbeschreibung darauf hinzuweisen, dass man sich nicht für jeden Zeit nehmen kann, um entsprechend zu reagieren. Es wird bereits im Vorfeld die Faulheit des Personalmanagers suggeriert.

Meine Güte, wie unhöflich und peinlich, ich behaupte sogar, wie unmenschlich ist dieses Versagen von Leuten, die über die Schicksale von Menschen zu entscheiden haben?! Und da wundert man sich noch, dass die Menschen immer böser werden, alle sozialen Kanäle mit ihrer verständlichen Wut fluten, denn man behandelt sie, uns, die Mehrheit, wie einen Haufen Müll, der sich doch bitte nicht so anstellen soll. Da wird jedem, der sich höflich über dieses Verhalten beschwert, über den Mund gefahren und erneut wächst der Hass. Unternehmen müssen endlich wieder lernen und begreifen, dass Menschen, die ihre Produkte kaufen, keine Computer oder Maschinen sind, sondern mit Würde und Respekt behandelt werden sollten. Ohne Arbeitskraft, ohne freundliches Miteinander endet jede menschliche Gemeinschaft irgendwann im Chaos und dann, liebe Unternehmen, liebe Presse, sagt nicht, die anderen wären schuld daran gewesen. Wundert euch also nicht mehr über den ständig wachsenden Hass, den ihr zu verantworten habt und den sinkenden Anstand, der mit stagnierendem Respekt vor dem einzelnen Individuum einher geht.

Anstatt endlich wieder neutral zu agieren, sich den Nöten der Menschen zuzuwenden, geht das Spiel jeden Tag aufs Neue los. Es wird gebasht, aus allen Rohren geballert und auf jedem herumgehackt, der nicht der triefend-anständigen Meinung der Presse oder blasierten Pressesprechern ist. Klar, früher mussten wir uns auf das gedruckte Wort verlassen, holten uns die Meinung im Lande direkt jeden Morgen am Kiosk oder abends bei den Nachrichten. Nur heute, im Alltag des Internets, kann man uns nicht mehr zurückdrängen, kann uns die Meinung nicht mehr verbieten. Okay … verbieten indirekt schon, indem man einfach jeden Tag wieder öffentlich herum prollt, wie der Elefant im Porzellanladen schwadroniert, ohne zu erkennen, dass das Porzellan die eigenen Leute [Leser/Zuschauer] sind.

Tapfer und mit Anstand alt zu werden
ist eines der Hauptkriterien echter Menschlichkeit

Wie wäre es, wenn wir uns wieder mehr unterstützen, mehr bejahend auf einander zugehen und jene Personen links oder rechts liegen lassen, die eigentlich für den Hass verantwortlich sind? Wie wäre es, wenn wir nicht nur mit dem Smartphone zuschauen, wenn eine junge Frau die Treppe herunter gestoßen oder ein junger Mann verprügelt wird, wenn ein Kind im Wohlfahrtsstaat nichts Vernünftiges zu essen bekommt oder alte Leute kaum die Kraft aufbringen, ihre Einkäufe zu tätigen, sondern helfen und gemeinsam dafür sorgen, dass jenes Hassgefühl keinen Nährboden mehr findet.

Warum anderen helfen, mir hilft ja auch keiner! Genau diese Einstellung, dieses egozentrische Ich-Verhalten, ist der Grund für das soziale Auseinanderdriften unserer Gesellschaft, ist das Motiv, warum wir uns eigentlich so hassen. Wir müssen wieder lernen, mehr zu teilen, zurück zu geben, wenn uns das Glück oder uns andere Menschen beschenkt haben. Wir müssen erkennen, wer den Hass sät und wer versucht ihn zu begraben, um anderen damit aufrichtig zu helfen. Wer sich bereichert, nur des eigenen Ego willen oder mit offenem Herzen zurück gibt.

Es hat auch etwas mit Anstand zu tun, dem Schwächeren zu helfen, dem Fragenden eine Antwort zu geben und dem Jüngeren mit Weisheit unter die Arme zu greifen. Fragen haben nichts mit Dummheit zu tun, sondern mit der Suche nach Wissen. Anstatt sich über Fragende lustig zu machen, wäre es sehr viel anständiger mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Vergreift sich ein junger Mensch beim Training im Gewicht – dies nur am Rande als Beispiel, da ich gerne Hanteln stemme – sollte nicht gelacht, sondern tatkräftig geholfen werden. Nun ja … stumpf andere auszulachen war ja schon immer einfacher als  freundlich anzupacken.

Es wäre ebenso förderlich, wenn man in den Kommentaren unter einigen Angeboten bei Youtube, den Fragenden auch eine Antwort gibt. Stattdessen beobachte ich eine stumpfe Gleichgültigkeit der Gastgeber, die alles andere als aufmerksam ist. Diejenigen, die nur am meckern oder schimpfen sind, sollten es mit einem eigenen Video oder eigener Leistung erst einmal besser machen. Mal sehen, wie diejenigen sich fühlen, die dann für ihre Arbeit attackiert und beleidigt werden.

Es fängt beim Einzelnen an, bei Ihnen, bei mir. Dieses Gefühl, welches ein Einzelner auf andere überträgt, um daraus ein Kollektiv zu formen, kann alles verändern. Kann dazu beitragen, dass wir uns wieder normal zuhören, dass wir Missstände neutral aufdecken und zu einem Anstand zurück kehren, der am Ende für alle Seiten förderlich ist.

Ohne Hass, ohne Schuldzuweisungen, ohne Dummheit, dafür jedoch mit Anstand, Respekt und Würde.

Hendrik Birke